B2533 WB München Werksviertel WA 2.1 / 2.2

Neubau einer Wohnanlage mit gewerblichen- und gemeinschaftlichen Nutzungen sowie Tiefgarage, VgV-Verfahren mit Lösungsvorschlag 1. Rang (Zuschlag)

, München, LP WB, BGF O.I. 25.000 m²

Bauherrnschaft: Münchner Wohnen Immobilien 4 GmbH, München
Visualisierung: april studios, München

Das Werksviertel hat sich in den vergangenen Jahren von einem Industrie- und Gewerbestandort zu einem durchmischten Stadtquartier mit Wohn-, Arbeits- und Kulturangeboten entwickelt. Die Baufelder WA 2.1 und WA 2.2 befinden sich in zentraler Lage innerhalb des Quartiers und bilden einen wichtigen Baustein in der weiteren städtebaulichen Entwicklung des Areals. Als Fortsetzung der Projekte WA 2.4 (Projektnummer 1808, Fertigstellung 2022), WA 2.5 (Projektnummer 1801, Fertigstellung 2022) sowie WA 2.3 (Projektnummer 1717, Baubeginn 2026) bilden WA 2.1 und WA 2.2 den Abschluss des Blocks.

Geplant ist ein bunter Mix aus verschiedensten geförderten Wohnungen mit insgesamt ca. 290 Wohneinheiten. Neben den klassisch geförderten Wohnungen (einkommensorientierte Förderung, München-Modell-Miete) sind diverse zielgruppenspezifische Wohnformen vorgesehen, unter anderem Wohnungen für akut Wohnungslose, Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige sowie Wohneinheiten im Rahmen des Modellprojekts „Fahrradwohnen“.

Als Besonderheit des Entwurfs wurde ein „Regelbaustein“ entwickelt, der an nicht schallbelasteten Stellen seriell zum Einsatz kommt. Insgesamt reihen sich sechs in ihrer Grundstruktur identische Häuser aneinander: vier an der August-Everding-Straße, zwei als Hofgebäude sowie ein siebtes Haus als leicht variierter Hofabschluss. Die Kompaktheit und Effizienz des „Regelbausteins“ in Kombination mit der hohen Serialität der Häuser bildet die Grundlage für eine wirtschaftliche Umsetzung. Der Regelbaustein wurde gezielt entwickelt, um ein schnelles und unkompliziertes Reagieren auf die aktuell unsichere Fördersituation zu ermöglichen. Vier „Schaltmodule“ sorgen dafür, dass ohne Veränderung der grundlegenden Parameter (Tragstruktur, Schachtführung, Position der Befensterung und der Freisitze) vielfältige Wohnungskonstellationen entstehen können, die unterschiedliche Anforderungen an den Wohnungsmix abdecken.

Der gleichbleibenden Grundstruktur der Regelhäuser wird eine Vielfalt an Verkleidungen überlagert, ohne die zugrunde liegende Serialität zu beeinträchtigen. Diese oberflächlich-additive Differenzierung verleiht den Häusern zur Stadt hin unterschiedliche „Gesichter“. Durch farbliche Abstufungen der Klinkerriemchen, Klinkerfugen und Schlosserbauteile erhalten die einzelnen Häuser eine eigene Identität und tragen zu einem abwechslungsreichen Stadtbild bei. Die Fassade entlang der Grafinger Straße wird durch den mehrfachen typologischen Wechsel (Kopfbau – Laubengang – Wintergarten – Laubengang – Kopfbau) klar segmentiert und gegliedert. Die so erzielte Ausdrucksvielfalt macht die einzelnen Hausabschnitte ablesbar. Auf weitere oberflächliche Applikationen wird bewusst verzichtet. Hofseitig wird hingegen das Gemeinschaftliche betont und auf eine starke Differenzierung der Einzelhäuser verzichtet. Ein Wechsel zwischen hellem Fein- und Besenstrichputz gliedert die Fassade übergeordnet. Geschlossene, metallische Balkonbrüstungen schützen die Privatsphäre im Bereich der Freisitze. Weiße Fliesen mit farbigen Fugen bilden einen robusten Sockel.

Dank der kompakten Baukörper und der höchst effizienten Typologien in den Obergeschossen stehen im Erdgeschoss an zentralen Stellen Flächen für Durchgänge sowie für gemeinschaftsfördernde Nichtwohnnutzungen zur Verfügung. Vier Durchgänge, davon zwei zweigeschossig ausgebildet, ermöglichen eine starke Vernetzung der Freiräume und entsprechen dem urbanen Charakter des Werksviertels. Um die Durchgänge gruppieren sich die zentralen gemeinschaftlichen Nutzungen wie Radler-Café und Fahrradwerkstatt, Gemeinschaftsraum sowie zentrale Mobilitätshallen. Insbesondere bilden die gemeinschaftlichen Räume zwischen den beiden Durchgängen einen blickdurchlässigen Abschluss des Innenhofs zur Grafinger Straße. Diese Akzentuierung der nördlichen Fuge verleiht zugleich den Hofgebäuden eine klare Zuwegung und eine angemessene Adressbildung.

Die Wohnanlage wird im Energiestandard EH 55 geplant. Die Fassade aus vorgefertigten Wärmedämmziegelelementen leistet einen Beitrag zu CO₂-reduziertem, sortenreinem und zirkulärem Bauen. Die Konstruktion ist robust und langlebig im Sinne einer nachhaltigen Bauweise. Das günstige A/V-Verhältnis der kompakten Baukörper reduziert den Material- und Energieverbrauch zusätzlich. Durch die U-förmig organisierte Tiefgarage kann die Hofmitte unversiegelt bleiben, sodass die Bestandsbäume im Innenhof erhalten werden können.