B2107 WB Augsburg Wohnquartier Berliner Allee

Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb zur Errichtung bezahlbarer Wohnungen im Modellvorhaben "Klimaanpassung im Wohnungsbau"

, Augsburg

STÄDTEBAULICHE STRUKTUR UND QUARTIERSATMOSPHÄRE
Patchworkartig liegen die Strukturen nebeneinander: Kleingartenanlage, Wohnsiedlungen der 50er – 70er Jahre, Industrieanlagen, der Lech, der Lechpark. Die Straßen bilden keine Räume, sie liegen autonom als funktionales Netz zwischen den Gebäuden, Quartiersgrenzen sind schwer ablesbar, alles ist fließend, ein unscharfes Kontinuum aus Grün und Häusern. Selbst der Lechpark folgt dieser Raumlogik, plötzlich ist er da, der Fluß blitzt auf, man kommt in ein Stück hügeligen englischen Garten von dem aus weder der Fluß, noch die Stadt zu sehen ist, dann wieder dunkler Uferdamm mit Radlweg.

Die städtebauliche Konfiguration für das Wohnquartier an der Berliner Allee interpretiert das vorgefundene räumliche Prinzip des Nebeneinander. Die in Grundriss und Höhenentwicklung mäandrierende Struktur legt sich eigenständig in den Lechpark. Als autonom lesbare Figur nimmt sie Bezug zur Straße im Westen und zum Park im Osten auf, gleichzeitig entwickelt Sie eine räumlich eigenständige Identität. Die Berliner Allee wird mit begleitenden Fuß- und Radwegen ausgebaut, soll aber grundsätzlich in Ihrem Charakter als „Straße im Grünen“ gestärkt werden. Ein grüner Puffer, aus dem punktuell höhere Gebäude herausragen, legt sich als Filter zwischen Straße und Häuser. Die Hauseingänge und Adressen erfolgen aus dieser Logik heraus von den Innenseiten des neuen Wohnquartiers.

Die Wohnhöfe des neuen Quartiers öffnen sich über ein System aus Terrassen zum Lechpark. Die mäandrierende Struktur erzeugt eine Maximierung von Wohnungen mit Blick zu Park und Fluss. Von der ersten Terrassenebene auf Ebene der Wohnhöfe und der Quartiersstraße führen Treppen und Rampen auf die Ebene der 3 m niedrigeren Lechpromenende mit Ausblick auf die renaturierte Uferlandschaft. Die Lechpromenade verbindet die Fuß- und Radwege von Wohnquartier und Lechpark zu einer belebten Uferterrasse, die Stadt wendet sich dem Fluss zu, eine Situation die es so in Augsburg noch nicht gibt. Das Prinzip lässt sich nach dem Aufgeben der Gewerbenutzungen im Norden bis zur vorgesehenen Fuß-/Radwegbrücke oder noch weiter fortsetzen.

In der Mitte des Quartiers ist die Baustruktur durchlässig. Um das bestehende Biotop spannt sich zwischen dem Bestandshochhaus im Westen und dem neuen Hochhaus am Park ein interpretationsoffener, grüner Raum auf. Nicht der „Quartiersplatz“ ist hier das Ziel, eher soll ein „Quartierspark“ als vielfältig nutzbarer Ort entstehen, der den Nachbarquartieren als gemeinsame Schnittmenge die Hand reicht. Das auf Bestandsniveau ca. 1,5 m tiefer liegende Biotop spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Es soll als Ruheort nur punktuell betretbar sein, bildet mit seinem grünen Volumen aber den Raum für die vielfältig nutzbaren Ränder.

Das Hochhaus am Park korrespondiert stadträumlich mit seinem Gegenüber an der Berliner Allee. Es markiert mit einem durchlässigen Erdgeschoss das Zentrum des Quartiers und ist die Schnittstelle vom Quartierspark zu Lechpromenade und Lechpark. Der Niveauübergang von Quartierspark zum Fluß wird vielfältig über Treppen und Rampen barrierefrei inszeniert. Ein zweigeschossiges Cafe mit Außengastronomie auf beiden Niveaus, Gemeinschaftsräume, Sportflächen, Sitzbänke etc. laden hier zum Verweilen oder Flanieren ein.

BAUSTRUKTUR
Die vorgeschlagene mäandrierende Struktur setzt sich aus wenigen Typen- bzw. Regelhäusern zusammen. Dadurch kann typologisch auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen (z.B. Schallbeaufschlagung) reagiert werden. Die den Typenhäusern innewohnende Grundriss- bzw. Außenwandverschiebung ermöglicht eine abwechslungsreiche räumliche Staffelung der Höfe, sowohl in der Höhenentwicklung, als auch im Grundriss. Mit der bewussten Formulierung der Gebäudeenden wird das Potential dreiseitig belichteter Wohnungen ausgeschöpft. Die Erdgeschosse mit einer Geschosshöhe von 4,00 m werden weitestgehend mit Nichtwohnnutzungen belegt. Damit stehen alle Gebäude am bzw. im öffentlichen Raum, private Gartenzonen sind nicht vorgesehen.

Ziel der vorgeschlagenen städtebaulichen und architektonischen Konzeption ist es, eine überzeugende soziale, architektonische und freiräumliche Interpretation des Modellprojektes „Klimaanpassung im Wohnungsbau“ zu entwickeln, in das sich die innovativen technischen Themen möglichst selbstverständlich einfügen.