B2205 WB Stuttgart Königstraße

Neben der zentralen Lage in unmittelbarer Nähe des Rotebühlplatzes wird die städtebauliche Bedeutung der Blockecke Eberhardstraße – Hirschstraße durch die Biegung der Eberhardstraße und die daraus resultierende Sichtbarkeit der Eckbebauung hervorgehoben. Gemessen an der Prominenz des Ortes ist die messbare Dimension des Bauköpers – besonders im Grundriss – klein. Städtebauliche Bedeutung und Gebäudedimension bilden also ein ungleiches Paar.
Der Entwurf versucht dieses Spannungsverhältnis positiv zu nutzen und dem Gebäude genau dadurch eine Eigenständigkeit zu geben die es ermöglicht sich selbstbewusst und selbstverständlich im Kontext einzufügen und zu behaupten.

Bezugnehmend auf die Zielsetzungen des Bebauungsplans Stgt 298 und die anstehenden Entwicklungen im direkten Umfeld ist es möglich und notwendig, die Höhe der Eckbebauung deutlich zu vergrößern.
Vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Grundfläche und der technischen Möglichkeiten wird im vorliegenden Vorschlag die Hochhausgrenze nicht überschritten. Mit der Höhe von knapp 22 m des obersten Fußbodens und einem erhöhten obersten Geschoß resultiert eine Traufhöhe von 26,25 m.

Mit Ausnahme des erdgeschossigen Einzugs zur Eberhardstraße verzichtet die Kubatur auf Vor- und Rücksprünge oder gliedernde Elemente. Die Größe des Gebäudes wird dadurch unterstrichen. Die „spitze Ecke“, die sich aus der Grundstücksgeometrie ergibt, wird bewusst vermieden. Stattdessen wird die stirnseitige Fassade in der Mitte senkrecht geteilt und Richtung Hirschstraße abgeknickt. Die resultierende, rechtwinklige Ecke vermittelt zur langen Fassadeseite an der Hirschstraße. Durch das Zurücknehmen der Ecke wächst das Gebäude zu einer großen Einheit zusammen. Gleichzeitig erfährt die Ecke durch die Nicht-Betonung eine besondere Bedeutung. Auf die Teilbar- und Möblierbarkeit des Innenraums wirkt sich der rechtwinklige Abschluss ebenso vorteilhaft aus.

Die gleichmäßige, umgreifende Struktur der Fassade ist einerseits kraftvoll und robust, strahlt aber durch die Auflösung in die statischen Elemente und die Materialität Leichtigkeit und Eleganz aus.

Konstruktion und Gestaltung sind unmittelbar miteinander verknüpft.
Sowohl in der äußeren Erscheinung
– das Konstruktionsraster das lediglich mit Fensterelementen ausgefüllt wird, ist gleichzeitig die Fassadengliederung.
Als auch im Innenraum
– in dem die sichtbare Holzkonstruktion den Einheiten einen unverwechselbaren Charakter gibt.

In der Tradition des international style stellt der Beitrag damit einen zeitlosen, selbstbewussten Beitrag im Stadtraum dar, der auf modische Gestaltungselemente bewusst gänzlich verzichtet.

Eine Besonderheit dieser Planungsaufgabe besteht darin, dass ein bestehendes Gebäude mit einer funktionstüchtigen Struktur abgebrochen wird um ein neues auf genau derselben Grundfläche wieder zu errichten. Die Frage nach dem Umgang mit Ressourcen, insbesondere der vorhandenen Bausubstanz wird immer wichtiger und kann bei einer zeitgemäßen Planung nicht mehr übergangen werden.

Welchen Mehrwert kann und muss ein Gebäude also haben, welches auf den ersten Blick wenig Spielraum für eine Neuinterpretation der Aufgabe zulässt um den Abriss und Neubau und den damit verbundenen Verbrauch an Energie und Rohstoffen zu rechtfertigen? Neben den beschriebenen stadträumlichen Themen ist dies die zentrale Fragestellung, auf die der Beitrag versucht bestmöglich zu antworten. Die Grundstücksfläche und damit die Geschoßfläche werden maximal ausgenutzt. Gegenüber der Bestandssituation werden ca. 450 m² BGF gewonnen. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt ist die maximale Ausnutzung auch ein Beitrag zum sorgsamen Umgang mit verfügbarem Boden.