B2217 WB Stuttgart Rümelinstraße

Stuttgart, BGF O.I. 11.200 m²

Wettbewerbsaufgabe:
Auf dem Areal an der Rümelintraße 32 + 38, mit einer Größe von insgesamt 5.551 m², soll ein innerstädtisches Wohnquartier mit Gewerbeflächen entstehen.
Das Wettbewerbsgrundstück befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden Neubauprojekte „Rosensteinstraße 12 / mit ehem. Ufa-Palast“ und „Rosenstein Mitte“, welches sich im Geltungsbereich des neu aufgestellten Bebauungsplans Rosensteinstraße befindet. Das Bebauungskonzept für das Plangebiet in der Rümelinstraße 32 + 38 soll in enger Anlehnung an das Nachbarprojekt „Rosenstein Mitte“ entwickelt werden. Dabei ist ein identitätsstiftendes Konzept aufzuzeigen, das sich in den stadträumlichen Kontext der angrenzenden Bebauung harmonisch einfügt und eine hohe gestalterische Qualität hinsichtlich der Architektur und des Wohnens aufweist. Der Wohnungsanteil soll ca. 70 % der BGF betragen, davon sind 30 % der Wohnfläche als geförderter Wohnungsbau vorzusehen (gemäß den SIM-Richtlinien). Für die Gewerbeeinheiten sowie die Unterbringung einer Kindertagesstätte sind 30 % der BGF einzuplanen.

Städtebauliche Struktur:
Die Situierung der „Rosenstein Mitte“ zwischen dem denkmalgeschützten „Eisenbahnerdörfle“ im Westen und dem neuen Gleisbogenpark im Osten lässt perspektivisch eine sehr hochwertige Wohnlage mit unmittelbarem Bezug zu übergeordneten Grünanlagen und Fuß- Radwegeverbindungen erwarten. Für den konkreten Standort des Baugrundstückes an der Rümelinstraße ist die Herausforderung, wie ein plausibler Übergang von der „Rosenstein Mitte“ zur feingliedrigen Struktur des „Eisenbahnerdörfle“, den Ergänzungsbauten aus dem Wiederaufbau, den Sozialnutzungen an der Mitnachtstraße und dem städtischen Bauhof gelingen kann.

Vorgeschlagen wird eine differenzierte, gegliederte Bebauung, die aus den lagebedingten Besonderheiten, der Topografie und der geforderten Bauweise in EH40-NH ihre Themen entwickelt. Die Bebauung dockt nach Innen an alle möglichen Anschlusspunkte der Bestandsplanung an. Die hierdurch entstehenden beiden, nicht unterbauten Wohnhöfe sind ausreichend dimensioniert, um großzügige, grüne, städtische Binnenräume zu bilden und eine Bepflanzung mit Großbäumen zur dauerhaften Verbesserung des Stadtklimas zu ermöglichen. Die Höhenlage der Höfe ist so eintariert, dass eine Befahrung mit der Feuerwehr von der östlichen Wegeverbindung aus möglich und somit eine Anleiterung der hofseitigen Wohnungen gesichert ist. Die in die Hofgestaltung integrierte Feuerwehzufahrt ist gleichzeitig das „Rückgrat“ der Höfe und der Zugang zu den auf der 1. Ebene liegenden Zugängen und Fahrradräumen.

Zur Rümelinstraße zeigt sich eine in Grundriss und Höhenentwicklung differenzierte Bebauung. Das Gebäuderelief gliedert sich horizontal fein in eine Wohnfassade mit Loggien und Balkonen, vertikal in eine Sockelzone mit Eingängen und Sondernutzungen sowie einer Höhenstaffelung mit dazwischenliegenden Dachgärten. Die Baukörperplastik interpretiert damit Gliederungselemente aus dem „Eisenbahnerdörfle“: die schmalen, vertikalen Gebäudefugen, die Überhöhungen der Gebäude an den Blockecken, die Fassadenzonierungen in Sockel, Regelebenen und Sonderlösungen am Übergang zum Dach. Das abgerückt auf eigenem Grundstück stehende Bürogebäude mit KiTa im EG übernimmt Materialität und Gliederungen der Wohnhäuser in seine solitäre Haltung. Programmatisch orientiert es sich zu den sozialen Nutzungen des Stadtteilzentrums im Norden.

Architektonische und gestalterische Qualität
Kosten- und Terminvorgaben erfordern immer mehr einen systematisierten Bauablauf mit bewährten und vorgefertigten Konstruktionen. Unter Beachtung der Aspekte der Nachhaltigkeit wird dies über eine Holz-Hybrid-Bauweise umgesetzt. Das Ziel der architektonischen Haltung ist nicht das individuelle Detail sondern das Zusammenwirken der einzelnen, einfachen Teile zu einer wirkungsvollen Übersumme – die ablesbare Fügung der Einzelelemente, die unterschiedlichen Gliederungen der Fassaden, die ablesbaren, ähnlichen aber nicht gleichen Häuser und Hausgrößen mit differenzierten Gebäudehöhen, die in Nuancen variierenden Farbakzente und Strukturen der Bekleidungen, das leicht springende Relief der Außenwände und Balkone – dies alles erzeugt räumliche Dichte und Komplexität, die zu einer lebendigen Quartiersidentität beitragen kann.

Trotz der Hybridbauweise und der leichten, hinterlüfteten Bekleidungen soll straßenseitig ein mineralisch geprägtes Erscheinungsbild entstehen, das sich in den Kontext einfügt. Die straßenseitigen Fassadenbekleidungen bestehen im Erdgeschoss aus zementgrauen Stahlbetonfertigteilen, in den Obergeschossen aus Well-Eternit. Durch die braun-rötliche Färbung des Well-Eternits, der die Putz- und Ziegelfärbungen der benachbarten Bebauungen aufgreift, fügt sich der Neubau gut neben „Eisenbahnerdörfle“ und „Rosenstein Mitte“ ein. Da auch die Balkonbrüstungen aus braun-rötlich gefärbtem Metallgewebe bestehen, die Balkonplatten wiederum wie das Erdgeschoss in grau gehalten sind, erscheint die Straßenfassade insgesamt wie eine „gewebte“ Struktur. Hofseitig dreht sich das Bild um, es werden hellgrau beschichtete Elemente aus Recycling-Aluminium verwendet, die mit den braun-roten Eternitbekleidungen der Deckenstirnseiten kontrastieren.

Alle Materialien weisen aufgrund Ihrer Langlebigkeit sehr geringe Lebenszykluskosten auf, so dass sich in Verbindung mit dem Verzicht auf Tiefgaragen bereits im Bau eine niedrige CO2-Bilanz ergibt. Zusammen mit der angestrebten CO2-Neutralität im Betrieb kann damit ein Vorzeigeprojekt hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz entstehen. Die Balkone bestehen aus STB-Fertigteilen mit Metallbrüstungen. Die hochgedämmten Dächer sind als Retentions- und Biodiversitätsdächer geplant, die mit auflastbasierten Systemelementen/-matten auch die Integration von Fotovoltaikelementen ermöglichen.

Wohnungszahl, Wohnungsmix
Der gewünschte Wohnungsmix und -anzahl kann gut erreicht werden und liegt bei insgesamt 149 Wohnungen. Die Wohnungen sind flexibel organisierbar und verfügen über attraktive Balkone und Freiflächen. Durch den Verzicht auf Mittelgangerschließungen entsteht eine sehr flächenwirtschaftliche Wohnungsorganisation mit einem hohen Ausnutzungsfaktor und großer Wohnungsvielfalt. Die Anzahl nur einseitig orientierter Wohnungen kann minimiert werden. Die sehr flächenwirtschaftlichen Grundrisse erfüllen alle Anforderungen an die entsprechenden Wohnungsgrößen und -schlüssel. Sie sind auf allen Ebenen und auch auf den Balkonen und Terrassen barrierefrei konzipiert. Ein großes Augenmerk wurde auf die Nutzungsflexibilität der Wohnungsgrundrisse bei gleicher statischer und technischer Grundstruktur gelegt. Der nahezu allen Wohnungen vorgelagerte Balkon ermöglicht auf allen Ebenen ein Wohnen im Grünen. Durch die Zugangsmöglichkeit auf 2 Ebenen (Straße und Hof) können Sonderwohnformen entstehen, wie z.B. eine zur Straße orientierte Atelierwohnung oder eine zum Hof orientierte Gartenwohnung.

Systemhäuser und Grundrissvariabilität
Die Gebäude basieren auf ähnlichen Grundstrukturen. In der Kombination aus einer tragenden Stahlbetonstruktur und hochgedämmten, vorgefertigten Außenwänden in Holzrahmenbauweise entstehen wirtschaftliche, nachhaltige Gebäude mit minimierter CO2-Bilanz. Die obersten Geschosse können komplett in Holzbauweise errichtet werden.

Wärmeschutz und Energieeinsparung
Die hybride Bauweise aus Holzmassiv- / Holzrahmenbau in Verbindung mit massiven Betonbauteilen ermöglicht einen sowohl sommerlich als auch winterlich guten Wärmeschutz. Die internen Speichermassen der Betonbauteile sowie weit auskragende Balkone in Verbindung mit weiteren Sonnenschutzmaßnahmen tragen zu einem angenehmen Wohnraumklima in den heißen Sommermonaten bei. In Bezug auf den winterlichen Wärmeschutz ermöglicht die Holzrahmenbauweise eine hohe Dämmleistung bei vergleichsweise geringem Querschnitt, mit dem die hohen Anforderungen des baulichen Wärmeschutzes eingehalten werden können.